von Lars ReimannAllein in leeren Räumen?

Es macht einen Unterschied, ob ein Gemeindehaus gerade einmal leer ist – oder schon lange. Ob es an meinem Wissen über die letzten unbelebten Wochen liegt? Oder gibt es vielleicht eine Art Echo der Menschen in Räumen? Und dann auch einen Mangel an Echo? Wenn ich nämlich durch die leeren Räume gehe, in denen wir gerade nicht leben, fühle ich das Fehlen der Menschen, die sonst darin leben. Ohne eine Gemeinde, die darin lebt, ist ein Gemeindehaus nur ein Haus. Aus sich heraus lebt es nicht. Sein Herz und seine Seele fehlen, wenn die Menschen fehlen, wenn Ihr fehlt. So ist der Ort, an dem sonst Liebe und Gnade wohnen, in seinem Verwaistsein eher eine Herausforderung für mich. Ganz anders ist es im Kirchraum – dem Gotteshaus. Denn ein Gotteshaus ist auch ohne Gemeinde, die sich versammelt in meinem Gefühl nie ganz leer. Mag ja sein, dass Gott überall wohnt. Aber ganz sicher wohnt er auch hier, im leerstehenden Kirchraum. Wenn ich den allein betrete, ist Gott schon da. Was also im Gemeindehaus eher eine Last ist – der Mangel an Menschen – ist im Kirchraum ein anderes Problem. Hier ist der Hauptmieter anwesend. Ganz zart fühle ich sogar eine Chance, wenn ich dort einmal allein bin. Denn dann spiele ich keine Rolle, kein Mensch schaut mir zu. Dann geht es nur um Gott und mich. Nichts Anderes spielt hier eine Rolle. Solltest Du Sehnsucht nach so einem Moment fühlen: https://akg-kiel.de/live-stream Hier hast Du einen virtuellen Zugang zur wochentags leeren Kirche. In einiger Zeit ist es dann wieder anders in Gemeindehaus und Kirche. Denn die Zeit „danach“ kommt gewiss! Ich male mir das in den schönsten Farben aus und bin aufgeregt deswegen: Wir werden uns freuen, uns zu sehen! Ich freue mich auf Euch! Wir werden feiern – ausgiebig feiern. Und wir werden Gottesdienste genießen, Gott ehren und uns mit einem ganz neuen, wissenden Blick in der Kirche umschauen. Wir werden einander anders sehen, weil wir einander gefehlt haben. Und das wird so gut. Und bis dahin werden wir Heimweh spüren und Sehnsucht. Und das Gemeindehaus wird auf uns warten, damit es wieder mehr als ein Haus ist.

Bis dahin segne Euch Gott!
Lars Reimann