Gedanken aus einem leeren Gemeindehaus

„Mein“ Gemeindehaus ist eher die Eckernförder Straße, die „Efö“. Hier habe ich mein Büro, hier sind die meisten Jugendveranstaltungen. Am Anfang habe ich die Ruhe im Gemeindehaus ein bisschen genossen. Es war mal Zeit in Ruhe Dinge aufzuräumen, abzuarbeiten, neu zu denken. Ein Raum wurde gestrichen, die Keller aufgeräumt, ein Holzlager für die Pfadfinder aufgebaut und der Saal ausgeräumt. Für all das war durch Corona genügend Zeit.
Aber nach Ostern schlug bei uns in der Familie und auch bei mir persönlich die Stimmung um. Die Perspektive, dass es noch lange ohne Kontakte gehen soll, war nicht motivierend. Und dann habe ich es sehr vermisst: „den Klang der Jugend“ (von Außenstehenden manchmal als Lärm bezeichnet), die Begegnungen auf der Straße oder auf dem Flur, den Gesang, das Spielen, das Gebet, das Lachen. Plötzlich befand ich mich im Krisenmodus. Alles musste abgesagt werden, für längere Zeit. Handlungsempfehlungen und Landesverordnungen, die gefühlt sich widersprechend alle drei Stunden aktualisiert wurden, wollten verglichen werden mit Stornobedingungen und Bedürfnissen der Jugendlichen.
Aber in dieser Zeit sind auch gute Dinge passiert. Skype-Hauskreise, eine digitale Nachtwache am Gründonnerstag, ein podcast von Jugendlichen zu jugendlichen Glaubensthemen („Faith and Faces“ findet ihr bei youtube ;)). All das sind schöne Dinge, aber auch irgendwie nur Notnägel, denn – das erzählen mir Jugendliche immer wieder – ihnen fehlt „das Echte“. Die echte Begegnung, die echte Gemeinschaft.
Wie schön, dass es jetzt langsam wieder losgeht. Erste Gottesdienste mit Konfis und der Jugend, kleine Gruppen von Jugendlichen im Garten, Pfadfinder-Workshops. Es ist schön, sich wieder real zu sehen. Die kleinen Witze zu machen, die bei skype untergehen. Die Augen und die Stimmung des anderen wahrzunehmen, die nur schlecht über Bildschirme übertragbar ist.
Immer wieder dachte ich in dieser Zeit an Hebräer 10,36: „Geduld aber habt ihr nötig!“ Wie wahr. Einfach mal abwarten, nichts planen, von Tag zu Tag schauen. Das fällt mir gar nicht leicht, hab ich gemerkt. Das ist meine Herausforderung, in dieser Zeit noch mehr meinem Herrn und guten Hirten zu vertrauen, zu folgen und manchmal auch einfach zu warten. Aber es lohnt sich. Denn Jesus kann man vertrauen und er hält die Dinge in der Hand. Auch in der Krise.

Liebe Grüße aus der Efö
Christoph Kaiser